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Gefahren bei Reisen in die südlichen PhilippinenAuf den 7107 Inseln der Philippinen kann man wunderschöne Urlaube verleben, ohne sich irgendeiner Gefahr aussetzen zu müssen. Dazu braucht man einzig und allein einen gesunden Menschenverstand und etwas Wissen über dieses phantastische Land und seine wundervollen Menschen. Es gibt nur zwei Inseln im extremen Süden der Philippinen und deren vorgelagerte Inselchen, die weit ab von jeglichen touristischen Einrichtungen liegen und absolut nicht bereist werden können. Diese Inseln sind Jolo und Basilan, zwei phantastische Inseln, was Vegetation und Landschaft betrifft, nicht jedoch die dort lebenden Banditen, Schmuggler und Piraten. Die Photos, die der Geographielehrer Wallert bei seinem unfreiwilligem Aufenthalt auf Jolo machte, geben einen ersten Eindruck von dem was ein Paradies für sanften Ökotourismus sein könnte. Leider sind die Reproduktionen in seinem Buch "Horror im Tropenparadies" derart schlecht gemacht, dass man auch als Hobbyphotograph das blanke Entsetzen bekommt. Herr Wallert vielleicht hätten Sie Ihre Photos in einem Bildband veröffentlichen sollen. Der hätte sich sicher besser verkauft als der über Ihre schöne Stadt Göttingen. Das Buch "Horror im Tropenparadies" ist nur für Insider empfehlenswert. Viel zu sehr stehen persönliche Entbehrungen im Vordergrund. Zuviel ereignislose Tage voller Hoffnung auf die Freiheit reihen sich aneinander. Mehr Informationen über die Banditen wie z.B. persönliche Gespräche, Bewaffnung, Kenntnisse über den Koran wären für den Leser spannender gewesen. Ein wahrlich gelungenes Buch ist Jose Torres Jr.'s "Into the Mountain". Ein Buch das man gelesen haben muss, wenn man mehr über diese Region erfahren will. Es gibt nur noch wenige Exemplare. Bestellen kann man das Buch bei AVA, PoBox 21104, Oxnard, CA, 93034, USA. Wer sind die Abu Sayyaf ? Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Entführung der Göttinger Familie Wallert, die im Frühjahr 2000 als Tauchtouristen auf der malayischen Insel Sipadan in die Hände der Abu Sayyaf fielen. Der Presserummel seiner Zeit war aus meiner Sicht mehr als unangemessen. Peinlich berührt hat mich wie die verschiedenen europäischen Regierungen, (besonders die Schröder- Regierung) mit dem Sipadan- Geiseldrama umgegangen sind. Zunächst wurde die philippinische Regierung unter Druck gesetzt, was auf die Lösung des Problems keinen Einfluss hatte. Denn die katholische Regierung in Manila war zu keinem Zeitpunkt in der Lage mit den Abu Sayyaf fertig zu werden. Also hat man sich dafür entschieden mit den Schwerverbrechern zu verhandeln und die Geiseln freizukaufen. Diese Vorgehensweise brachte den Abu Sayyaf schätzungsweise 25 Millionen USD ein. Damit dürften die Abu Sayyaf zu den erfolgreichsten Geiselnehmern aller Zeiten zählen. Die kassierten Lösegelder würden sofort in neue Waffen und moderne Speedboote investiert. Die Zahl der Banditen wuchs schnell von ca. 800 auf über 3000. Den Grundsatz der Amerikaner, dass prinzipiell nicht mit Verbrechern verhandelt wird, halte ich für richtig. Die USA haben gezeigt wie es geht. In einer beispiellosen Hilfsaktion "Balikatan" wurden über 1000 US- Soldaten nach Zamboanga geflogen, die in unzähligen Hilfsprojekten die Insel Basilan erschlossen haben. Es wurden Straßen und Brücken gebaut, Wege angelegt, Bootsstege und Anlegestellen errichtet. Die Fischer wurden in die Lage versetzt Ihren Lebensunterhalt mit dem Fischfang bestreiten zu können. Gleichzeitig wurden die philippinischen Truppen mit modernen Waffen ausgerüstet und für den Kampf gegen die Banditen von US-Ausbildern trainiert. Von Journalisten und Pressevertretern wird häufig die falsche Übersetzung verbreitet, dass Abu Sayyaf "Vater des Schwertes" bedeutet. Richtig übersetzt heißt Abu Sayyaf ( Bearer of the Sword ) also Träger des Schwertes. Der Name ist Programm. Das zeigt die folgende grausige Begegnung aus dem Jahre 1994. Am ersten Weihnachtsfeiertag beschließt eine Gruppe Jäger in den Wäldern Basilans jagt auf verwilderte Hausschweine zu machen. Die Jagt blieb ohne Erfolg. ![]() In den Bergen bei Mahayahay hörten sie, dass Irgendjemand ein Wildschwein erlegt hatte. So beschlossen sie das Schwein zu kaufen. Auf Ihrem Nachhauseweg verirrten sie sich und endetet in der Gewalt der Abu Sayyaf. Die Banditen banden ihnen die Hände mit einem Strick auf dem Rücken zusammen und zwangen sie, sich in einer Reihe hinzuhocken. Danach schlugen sie einem nach dem anderen mit einem Buschmesser ( Bolo ) den Kopf ab und ließen die Körper einen Hügel herunterrollen. Als sie den Tatort verließen waren sie sicher, dass alle tot waren. Doch Donato Ruda überlebte aufgrund seiner dicken Jacke mit denen die Abu Sayyaf Ihm die Augen verbanden. Der einzige Grund für das Massaker war die Tatsache, dass es sich bei den Jägern um Christen handelte. Nach seiner Rettung verließ Donato Ruda Basilan für immer und kehrte nie wider zurück, obwohl seine Eltern weiter auf Basilan leben. ![]() Kurze Chronologie:Mitte der 80-er Jahre formierte der charismatische islamische Prediger Ustadz Wahab Akhbar eine kleine moslemische Gruppe auf der Insel Basilan, die sich selbst Mujahideen nannten. In den frühen 90-er gründete Abdurajak Abubakar Janjalani die Al Harakatul Islamia oder die Abu Sayyaf Gruppe. Die Gruppe entführte in der ersten Hälfte der 90-er Jahre mehrere katholische Priester und beteiligte sich 1995 an einem Mordanschlag auf den Papst, anlässlich seines Besuches in Manila. Am 4. April 1995 wurde die hauptsächlich von Christen bewohnte Stadt Ipil von Abu Sayyaf Banditen überfallen. Dabei wurden 53 Einwohner ermordet. Am 18. Dezember 1998 wurde der Abu Sayyaf Gründer Abdurajak Abubakar Janjalani von Soldaten der philippinischen Polizei während eines Feuergefechtes erschossen. An seine Stelle trat sein jüngerer Bruder Khaddafy Janjalani zusammen mit dem damals noch unbekanntem Aldam Tilao alias Abu Sabaya. Die neuen Anführer der Abu Sayyaf waren keine Priester so wie Abdurajak Abubakar, sondern reine Kriminelle die nur aus einem Beweggrund handeln: Geld. Bald sollten die Abu Sayyaf Schlagzeilen in aller Welt erhalten. George Bush setzte die Abu Sayyaf auf Platz zwei der Liste terroristischer Banden. Am 20. März 2000 stürmten etwa 80 schwer bewaffnete Banditen die Claret Schule in dem kleinen Dorf Tumahubong auf der südphilippinischen Insel Basilan und nahmen Hunderte als Geisel: Schüler, Lehrer und den Direktor der Schule. Sie wurden in das Lager der Abu Sayyaf "Camp Abdurazzak" gebracht und dort gefangen gehalten. Am 21. April 2000 beginnt die militärische Offensive gegen die Banditen. In später Nacht leiten Bodentruppen den Angriff auf das Camp Abdurazzak ein. Am Morgen des 22. April 2000 werden die Bodentruppen durch Hubschrauber unterstützt, die das Lager der Abu Sayyaf pausenlos bombadieren. Am Ostersonntag, dem 23. April 2000 wird die malayische Taucherinsel Sipadan überfallen. 10 westliche Touristen und 11 malayische Hotelangestellte werden entführt und auf die Insel Jolo gebracht. Am 30. April 2000 wird Camp Abdurazzak von der philippinischen Armee vollständig eingenommen. Weder Geiseln noch Banditen wurden aufgefunden. Das Camp ist verlassen. Die Banditen ziehen sich weiter in die Berge zurück. Sabaya lässt über einen lokalen Radiosender verkünden, dass sich die Abu Sayyaf mit all Ihren Geiseln tief in die Wälder zurückgezogen haben. Am 03. Mai 2000 werden die Banditen in den Wäldern Basilans gestellt und 15 Geiseln befreit. 4 Geiseln kommen im Kugelhagel um. Am 06. Mai 2000 bergen Ranger zwei Leichen mit abgetrennten Köpfen aus Ihren provisorischen Gräbern in unmittelbarer Nähe des Camps Abdurazzak. Die im fortgeschrittenem Stadium der Verwesung befindlichen Leichen waren im hockendem Zustand gefesselt. Am 19. April hatten die Abu Sayyaf die Nachricht verbreitet, sie hätten als Geburtstagsgeschenk für Präsident Estrada zwei Geiseln enthauptet, was sich hiermit bestätigte. Am 28. August 2000 wird der Amerikaner Jeffrey Schilling während eines Besuches in Janjalani’s Camp gefangen genommen. Ihm gelang später die Flucht aufgrund seines extremen Gewichtsverlustes, so dass er die Handschellen einfach abstreifen konnte. Am 09. September sind die meisten westlichen Geiseln befreit. Ein malayischer Tauchlehrer der Insel Sipadan, Roland Ullah gerät in Vergessenheit und wird insgesamt drei Jahre durch die dichten Wälder Basilans getrieben, bevor Ihm im Frühjahr 2003 die Flucht gelingt. Es kursieren Gerüchte, dass er zu den Abu Sayyaf übergelaufen sei, weil er gezwungen wurde ständig ein M 16 mit leerem Magazin zu schleppen. Er ist heute im Kronzeugenschutzprogramm der philippinischen Regierung. Am 20. Januar 2001 übernimmt die eiserne Lady Gloria Macapagal Arroyo die Präsidentschaft. Am 27. Mai 2001 überfallen die Abu Sayyaf das exklusive Dos Palmas Hotel auf einer kleinen Insel nahe der Stadt Puerto Princesa auf Palawan. Es werden 20 Geiseln genommen, darunter 3 Amerikaner. Zunächst fehlt jede Spur von Entführern und Geiseln. Am 01. Juni 2001 werden die Banditen in der Nähe von Tuburan auf Basilan entdeckt und sofort unter Feuer genommen. Es wird unter anderem auch schwere Artillerie eingesetzt, ohne Rücksicht auf die Geiseln. Am 02. Juni 2001 besetzen Abu Sayyaf Banditen den Kirchen und Krankenhaus- Komplex in Lamitan der zweit größten Stadt der Insel Basilan. Gracia Burnham, eine amerikanische Geisel, wird die Geschehnisse später in Ihrem Buch in dem Kapitel "Hospital of Horror" genau schildern. Inzwischen sind an die 200 Geisel in der Hand der Banditen. Der Komplex ist von Soldaten der Philippinischen Armee umstellt. Es wird rund um die Uhr geschossen. 4 Geiseln vom Dos Palmas Hotel gelingt die Flucht. Immer wieder schaffen es Abu Sayyaf Banditen die philippinischen Kontrollposten zu täuschen um Ihre Einheiten im Krankenhaus zu verstärken. Am 03. Juni 2001 werden die Soldaten von der Rückseite des Krankenhaus und Hotel- Komplexes abgezogen. Die Banditen nutzen diese Gelegenheit, um aus dem Kessel auszubrechen. Krankenhausangestellte werden als Schutzschilder benutzt um sich den Weg in die Wälder freizuschießen. 5 Geiseln können im Gefecht fliehen. Am 09. Juni 2001 trifft das FBI in Zamboanga City ein. Im Juni wird der aus Peru stammende Amerikaner, Sobero von den Banditen sadistisch hingerichtet. An dieser Stelle möchte ich auf Gracia Burnham‘s Buch "In the Presence of my Enemies" verweisen. Am Morgen des 11. Septembers 2001, Stunden bevor der Anschlag auf das WTC stattfindet, erscheint in fast allen philippinischen Zeitungen der Steckbrief für Aldam Tilao alias Abu Sabaya der Sprecher der Abu Sayyaf. Veröffentlicht wird eine Frontansicht, eine Seitenansicht und ein Foto mit Sonnebrille und Kopftuch(Bandana), die zum Markenzeichen dieses Schwerverbrechers gehörten. Es wird eine Belohnung von 5 Millionen Pesos ausgesetzt. Abu Sabaya Alias Aldam Tilao wurde um 1962 in Lamitan auf der Insel Basilan geboren. Er gehörte zum Volk der Tausug und wurde in frühester Kindheit von einer Christlichen Familie der Yakan adoptiert, bei der er 12 Jahre seines Lebens verbrachte. Danach ging er nach Zamboanga wo er das Studium des Bauingenieurwesens begann und abschloss. Nach dem Studium versuchte er nicht sich einen Job zu suchen, sondern ging als Mujahideen nach Afghanistan. Als er nach dem Krieg nach Basilan zurückkehrte war er ein völlig veränderter Mann. 1986 schloss sich Aldam Tilao der Moro National Liberation Front (MNLF) an. Dort lernte er vor allem das Bauen von Bomben. Als die MNLF 1996 einen Friedensvertrag mit der katholischen Regierung in Manila unterzeichnete, reiste er nach Saudi Arabien. Was er dort tat ist weitestgehend unbekannt. Persönliche Kontakte zu Bin Laden sind wahrscheinlich. Als er 1996 nach Basilan zurückkehrte schloss er sich Abdurajak Janjalani, dem Gründer der Abu Sayyaf an. Zu der Zeit legte er sich den Namen Abu Sabaya ( Vater der Diebe der Frauen ) zu. Als einer der 5 Führer der Abu Sayyaf starte er eine beeindruckende Verbrecherkarriere als drogenabhängiger Terrorist, Vergewaltiger und Entführer. Er dürfte als Ingenieur den Hauptanteil der Feinplanungen für die spektakulärsten Geiseldramen übernommen haben. Dank Sattelitentelefon, dem Geschenk eines deutschen Fernsehteams, verfügte er über das modernste Kommunikationsmittel. Die Koordinierung des Nachschubes an Treibstoffen für die Speedboote erforderte die Unterstützung von Sabah aus und ist logistisch als schwierig einzuschätzen. Kurz nach Gracia Burnham‘s Befreiung soll er bei einem Seegefecht getötet worden sein. Seine Leiche wurde nie geborgen. Hin und wieder gibt es Meldungen, dass er in Mindanao gesichtet worden sei. Die letzte dieser Meldungen besagt er würde als Abu Muslim bei anderen bewaffneten Extremisten in der Nähe von Zamboanga untergetaucht sein. Die Zeitungsartikel, die am Tag des Seegefechtes erschienen sind, wurden aus den Internet-Archiven der philippinischen Tageszeitungen gelöscht. Im Morgengrauen bei Mantibo Point, nahe Sibuco Island in Zamboanga del Norte an einem Freitag in der zweiten Juni-Hälfte des Jahres 2002 wird ein Boot mit schwer bewaffneten Männer gesichtet. Als fest steht, dass es sich um das Boot des Abu Sayyaf Führers handelt, wird das Feuer eröffnet. Angeblich wird Abu Sabaya durch mehrere Schussverletzungen im Gürtelbereich fast in zwei Teile getrennt und fällt in voller Kampfausrüstung samt Rucksack über Bord. Der Rucksack wird später geborgen. Das Wasser ist in dieser Gegend 1500 m tief, was die Anwesenheit von Hochseehaien wahrscheinlich macht. Angeblich soll ein Video existieren, dass den Vorfall zweifelsfrei nachvollziehen lässt Die Abu Sayyaf heute: Nach dem Verschwinden von Abu Sabaya und der Befreiung der Geiseln aus dem Dos Palmas Hotel hat sich die philippinische Regierung wieder anderen Dingen zugewandt. Balikatan wurde als voller Erfolg gefeiert, obwohl 4 der Top- Führer der Abu Sayyaf auch heute noch nicht gefasst sind.
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